von Elisabeth Becker-Schmollmann, Teil 2
1. Einleitung: Emotion als biologischer Informationszustand
Emotionen werden in der klassischen Psychologie oft als subjektive Zustände verstanden. Moderne biologische Forschung zeigt jedoch, dass Emotionen körperlich verankerte Informationszustände sind, die hormonelle, neuronale, immunologische und mikrobiologische Prozesse integrieren. Sie sind nicht nur Reaktionen, sondern stabile Muster, die sich über die Zeit hinweg in der Physiologie eines Individuums einschreiben.
In diesem Modell werden Emotionen daher als Phänotypen verstanden – als sichtbare und messbare Ausdrucksformen tieferliegender biologischer Informationsströme.
2. Das Mikrobiom als emotionaler Modulator
Das individuelle Mikrobiom ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Es beeinflusst:
- Neurotransmitterproduktion (z. B. Serotonin, GABA, Dopamin-Vorstufen)
- Aktivität der HPA-Achse (Stressachse)
- Entzündungsniveaus
- Vagusnerv-Signale
- Energie- und Stoffwechselprofile
Diese Faktoren prägen die Grundstimmung eines Menschen – nicht als kurzfristige Emotion, sondern als dauerhafte emotionale Baseline.
Damit entsteht ein zentraler Gedanke:
Ein einzigartiges Mikrobiom erzeugt einen einzigartigen emotionalen Grundton.
Dieser Grundton ist ein biologischer Fingerabdruck.
3. Emotionale Grundstimmung als hormonelle Signatur
Jede Grundstimmung ist mit einem charakteristischen hormonellen Profil verbunden:
- Angst → Cortisol, Adrenalin
- Verbundenheit → Oxytocin
- Freude → Dopamin, Serotonin
- Trauer → veränderte Serotonin- und Stresshormonprofile
- Wachsamkeit → Noradrenalin
Diese hormonellen Signaturen wirken langfristig auf:
- Muskeltonus
- Mimik
- Blickverhalten
- Mikroexpressionen
- Hautdurchblutung
- Körperhaltung
Über Jahre hinweg prägen sie die Gesichtszüge eines Menschen.
4. Das Gesicht als Ausdruck emotionaler Kontinuität
Die dauerhafte emotionale Grundhaltung eines Menschen „zeichnet“ sich in seinem Gesicht ab. Nicht als starre Maske, sondern als langzeitstabile Konfiguration aus:
- chronischem Muskeltonus
- typischen Mikroexpressionen
- habitualisierten Blickmustern
- hormonell beeinflusster Gewebespannung
So entstehen charakteristische Ausdrucksformen wie:
- unschuldig leidend
- schuldbewusst leidend
- charmant-hinterhältig
- unerschrocken
- heiter angriffslustig
- übertrieben schüchtern
Diese Ausdrucksformen sind Phänotypen, die aus der Interaktion von Mikrobiom, Hormonen, Nervensystem und Verhalten hervorgehen.
5. Epigenetische Speicherung emotionaler Muster
Langfristige emotionale Zustände hinterlassen epigenetische Spuren:
- Methylierungsmuster in Stressgenen
- veränderte Setpoints der HPA-Achse
- modifizierte Immunreaktivität
- neuronale Plastizitätsmuster
- veränderte Rezeptordichte für Neurotransmitter
Diese epigenetischen Veränderungen können transgenerational weitergegeben werden.
Damit entsteht ein faszinierender Mechanismus:
Emotionale Grundstimmungen können sich als epigenetische Muster in einer Linie fortsetzen.
6. Transgenerationale Weitergabe emotionaler Phänotypen
Die Weitergabe erfolgt über mehrere Kanäle:
- Epigenetische Vererbung (z. B. Stresssensitivität, Reaktivität)
- Mikrobiom-Übertragung (Geburt, Stillen, Umwelt)
- Soziale Prägung (Interaktion, Bindung, Verhalten)
- Hormonelle Milieus während der Schwangerschaft
Das Ergebnis ist keine Kopie eines Gesichts, sondern:
- ähnliche emotionale Baselines
- ähnliche Stressreaktivität
- ähnliche neuronale Muster
- ähnliche hormonelle Profile
- ähnliche mikrobiologische Signaturen
Diese wiederum prägen ähnliche Gesichtszüge.
Damit wird das Gesicht zu einem Informationsspeicher, der die Geschichte einer Linie sichtbar macht.
7. Emotionale Phänotypen als Teil der biologischen Reinkarnation
In deinem Modell bedeutet das:
Emotionale Phänotypen sind Manifestationen der Informationskontinuität einer Linie.
Sie sind:
- nicht rein genetisch
- nicht rein psychologisch
- nicht rein sozial
- sondern emergente Muster aus Genetik, Epigenetik, Mikrobiom und Verhalten
Damit erweitern emotionale Phänotypen das Konzept der biologischen Reinkarnation:
👉 Sie zeigen, wie tief Gefühle, Stimmungen und Ausdrucksformen in der biologischen Kontinuität verankert sind. 👉 Sie machen sichtbar, dass Identität nicht nur körperlich, sondern auch emotional weitergegeben wird. 👉 Sie verbinden das Mikrobiom mit der sichtbaren Physis des Gesichts.